Nr.1 Herzlich Willkommen in unserer Welt!
Der Anfang
Manche Orte werden gebaut.
Andere entstehen.
Der Exterhof gehört zur zweiten Sorte.
Als ich den Hof im Jahr 2020 kaufte, sahen die meisten Menschen vor allem eines: Arbeit. Zerfallene Dächer, bröckelnde Mauern, überwucherte Wege und Gebäude, die ihre besten Tage längst hinter sich hatten. Es war leicht zu erkennen, was alles kaputt war.
Schwieriger war es, zu erkennen, was noch da war.
Denn trotz aller Spuren der vergangenen Jahrzehnte hatte dieser Hof nie aufgehört, ein Zuhause sein zu wollen. Man musste nur genau genug hinschauen. Hinter jedem eingestürzten Balken verbarg sich handwerkliche Kunst aus vergangenen Jahrhunderten. Unter Brombeeren und Brennnesseln tauchten alte Wege wieder auf. Selbst der Wind schien Geschichten über den Hof zu tragen, als wollte er daran erinnern, dass dieser Ort einmal voller Leben gewesen war.
Vielleicht war genau das der Grund, warum mich der Exterhof sofort in seinen Bann zog.
Es ging nie darum, einfach einen alten Hof zu sanieren. Häuser kann man renovieren. Mauern kann man reparieren. Dächer kann man neu decken.
Aber einem Ort seine Seele zurückzugeben, ist etwas völlig anderes.
Das braucht Zeit.
Es braucht Menschen, die bereit sind, gemeinsam anzupacken. Menschen, die ihre ganz eigenen Talente mitbringen, ihre Eigenarten, ihren Humor und manchmal auch ihre Verrücktheit. Manche bleiben nur für einen Abschnitt der Geschichte. Andere werden zu einem festen Teil davon. Und irgendwann merkt niemand mehr, wann aus Handwerkern Freunde geworden sind oder aus Nachbarn Familie.
Mit jedem Monat kam neues Leben auf den Hof.
Nicht geplant, sondern gewachsen.
Die Pferde bezogen ihre Ställe. Hühner erklärten den Innenhof zu ihrem Revier. Der Hahn Dr. Bob übernahm zuverlässig die Aufgabe, jede Ruhe zu beenden, während Bossie, ein Shetlandhengst mit einem Ego, das mindestens doppelt so groß ist wie er selbst, bis heute überzeugt ist, der eigentliche Besitzer des Hofes zu sein. Und irgendwo dazwischen sitzt Kater Strophe meist genau dort, wo gerade gearbeitet werden soll, als hätte er beschlossen, dass Baustellen ohne ihn gar nicht funktionieren.
Mit jedem Menschen, der hinzukam, veränderte sich auch der Hof. Nicht nur sichtbar durch neue Dächer, restaurierte Mauern oder freigelegte Räume, sondern vor allem durch die Geschichten, die plötzlich entstanden. Manche waren groß. Andere dauerten nur wenige Minuten. Oft waren es gerade die kleinen Momente, die sich später als die wertvollsten Erinnerungen herausstellten.
Genau darum geht es in diesem Buch.
Es soll nicht nur erzählen, wie ein historischer Hof restauriert wurde. Es erzählt von den Menschen, die ihn geprägt haben. Von den Tieren, die glauben, sie hätten hier das Sagen. Von Projekten, die manchmal größer wurden als ursprünglich geplant. Von Rückschlägen, über die man heute lachen kann. Und von all den Augenblicken, die man nie hätte planen können.
Der Exterhof ist deshalb nicht die Kulisse dieser Geschichte.
Er ist ihre Hauptfigur.
Und dies ist erst das erste Kapitel von einem Hof, der kaum in Worte zu fassen ist. Aber vielleicht gelingt es mir ja mit seinen Bewohnern.